Goethe! At 266 life has just begun!

(German version below)
england_smallOf course I want to send my congratulations on your birthday – a little bit of honesty first.
When I started acting, there were two authors I absolutely didn’t want to play: Shakespeare and Goethe. You haven’t been the youngest at that time anymore, I was keen on ‘’nuclear energy – a clear NO“, Burkhart Driest and driving my so cool motorcycle. All this old stuff didn’t make me curious at all, therefore it was clear, that I had to get a Goethe. The choir’s text of the Trojans from Faust II, to be exact.
To make a long story short:
The more rehearsals I had, the more I learned to love the words I spoke. It opened me a complete new world that is now my linguistic home, which I’ll never be able to leave again. I found a home I never thought existed and I never asked for, a real gift.
Even after I loved your words I didn’t like you. To me you were an awful son and an even worse husband. I absolutely didn’t want to come near you and your acts, when I read a saying by Marcel Reich-Ranicki, which said that Goethe was out of all German poets the most human one. Human in his longing, his lovelife, his fear of criticism and needing of appreciaton.
For me, it changed everything, because Reich-Ranicki has always been straightforward, I could really believe him. The first time I believed someone Goethe was worth reading.
You were only human.
And an amazing poet.
Johann Wolfgang, from the bottom of my heart I wish you all the best on you 266th birthday!
Please forgive me my long hesitation, I am only human, just like you are.
My present for you is the most popular love poem ever written, spoken in 7 completely different ways by completely different people, and surely, there are more to come.
(You’ll find the clips below the German version!)
Yours,
Karime
(and Lilli)

deutschBevor ich dich zu deinem heutigen Geburtstag bejubele, ein paar reichlich ehrliche Zeilen vorweg.
Vor meinem Engagement als Anfängerin am Theater betete ich inständig um zwei Dinge: Bitte nicht Shakespeare und bitte – und zwar auf gar keinen Fall! – keinen Goethe.
Du warst ja damals schon nicht mehr ganz frisch, ich schon, außerdem war „Atomkraft – nein danke“, Burkhart Driest („Die Verrohung des Franz Blum“) und mit dem Motorrad gute-Mitte-fahren viel interessanter für mich. Nein, ich wollte mich nicht mit so veraltetem Kram herumschlagen, ich wollte einfach spielen. Was konnte mir dieser verstaubte Kram heute noch sagen? So dachte ich. Völlig klar, dass ich zu Probenbeginn mit komplett gelerntem Text des Chores der Trojanerinnen aus Faust II anzutreten hatte.
To make a long story short:
Anfangs nicht den winzigsten Schimmer des Verstehens in mir, bahnte sich der Sinn der alten Worte von Probe zu Probe seinen Weg in mein Sprachgefühl, bis ich am Ende mit meinen Mitspielerinnen deine vor so langer Zeit geschriebenen Sätze leicht und glücklich, Beine baumelnd, selig auf dem Bühnenrand sitzend versang. Ich durchlebte einen Prozess, an dessen Ende sich eine Tür öffnete, die sich nie mehr schließen wird und dessen Raum dahinter mich unendlich reich gemacht hat. Dort befand sich meine sprachliche Heimat. Ich hatte nach Hause gefunden.
Als nächstes spielte ich Shakespeare…klar, oder?
Nun liebte ich zwar deine Sprache, aber leiden konnte ich dich noch immer nicht. In meinen Augen warst du ein schlechter Sohn und ein lausiger Ehemann. Kein Buch über dich konnte mich milde stimmen, habe mich keinem weiteren Werk von dir genähert, bis ich einen Satz von Marcel Reich-Ranicki las:
»Goethe war unter allen großen Deutschen der menschlichste; menschlich in seiner Sehnsucht nach Liebe und Frauen, menschlich in seiner Angst vor Kritik, menschlich in seinem Bedürfnis nach Beifall, in seiner Empfänglichkeit für Lob und in seiner Abhängigkeit vom Erfolg.«
Und ihm, der nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, ihm konnte ich glauben. Ich war versöhnt.
Nur ein Mensch warst du. Der ohne Frage wusste, wo der Hammer hängt.
Und ein genialer Dichter dazu.
Johann Wolfgang, von wirklich ganzem Herzen alles Liebe zu deinem 266sten Geburtstag!
Verzeih‘ mein langes Zögern, bin halt nur ein Mensch, wie du.
Als Gruß von mir das berühmteste Liebesgedicht dieses Landes. Bislang haben sieben Leute ganz unterschiedlicher Profession dieses kleine, klare Gedicht für always poet gesprochen und es werden bestimmt noch mehr.
Du kriegst sie heute alle, sie sind mein Geburtstagsgeschenk für dich.
Stay tuned.
Deine Karime

Happy birthday!!

 

 

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May I introduce?

england_smallLadies and gentlemen,
may I introduce myself?
My name is Lilli and I’m the person behind the English texts on this blog. Karime has all the ideas and writes the texts, but she sends them to me and I try to make them sound somehow okay in English. That’s it, basically.
I got to this little ’’job’’, which is how I see it myself as I take it quite seriously, because of my great interest in languages, my love for literature, that I share with Karime, and my excitement for always poet. This excitement began last July, I’ve been a fellow follower of this project ever since and it’s amazing to see it growing.
My help here is only temporary and as long as it’s required, I’ll love to be a small part of this, always poet.
See you soon!
Thumbnail_Lilli
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deutschSehr geehrte Damen und Herren.
Es ist an der Zeit, dass ich mich mal vorstelle. Mein Name ist Lilli und ich bin zuständig für den englischen Feinschliff auf always poet.
Hier gelandet bin ich durch die Liebe für Sprache, die Karime und ich teilen, und meinen Spaß am Übersetzen deutscher Texte ins Englische.
Vorläufig unterstütze ich unsere liebe Bloggerin, was das angeht. Vielleicht seht ihr mich auch mal bei dem einen oder anderen Gasteintrag. Still und im Hintergrund bin ich, aber ich bin da.
Bis bald!

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Roger Willemsen kommt…

england_smallTidying, cleaning, everything that has nothing to do with always poet has to disappear. Right now. Today is a big day, today I’ll have a special guest-
Roger Willemsen. No kidding.
I asked him a few weeks ago after a reading and he said yes, spontaneously.
We only have 30 minutes, his office tells us we have to be really quick, this man has so little time anyway. Therefore it has to be amazing, we don’t want him to regret being part of always poet!
Well.
Behind the camera the ever repeating picture, Roman Schwer doing his best. A Make-up-artist is also with us, my sister making everybody look even better than before, another one of my poets, by the way.
MaskeSetaufbau

Everything is set up, we awestruckly waiting. 7 PM, the door rings and a really cheerful Roger Willemsen joins us, right out of the oldest elevator ever, on the fifth floor.
It could not have been easier.
He was light and honest, beautiful.
What we recorded? Friedrich Hölderlin and James Joyce.
Of course you’re just as excited as I am, you won’t have to wait long.
Stay tuned!
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deutschIhr Lieben,
bevor ich wie angekündigt chronologisch fortfahre, muss ich etwas einschieben. Das wird öfter vorkommen, ist es doch ein bereits 11 Monate laufendes Projekt, wo ständig etwas passiert!
Gestern, Dienstag: Aufräumen, klar Schiff machen, weg mit unliebsamen Steuerunterlagen, ungebügelter Wäsche, alles ab ins Atelier, wo man kaum noch treten kann, egal. Heute kommt –
Roger Willemsen, jawoll. Ich hatte ihn vor ein paar Wochen nach einer Lesung angesprochen und er hat spontan ja gesagt. Sein Büro ist schwer auf Zack, reibungslose Kommunikation, dennoch: das Zeitfenster ist eng, 30 Minuten, mehr ist nicht drin, der Mann hat kaum Zeit, aber ja gesagt. Und er soll es nicht bereuen, deshalb muss es herrlich sein. Naja.
An der Kamera wie schon so oft und einfach für hulle steht Roman Schwer. Eine Maske habe ich seit kurzer Zeit auch, meine wunderbare Schwester lässt alle aussehen wie ausgeruht im Supermarkt. Bei always poet mitgemacht hat sie im Übrigen auch schon.

MaskeSetaufbau

Alles steht, wir warten. Punkt 19 Uhr klingelts und ein fröhlicher, lockerer Roger Willemsen entsteigt dem uralten Fahrstuhl im 5. Stock. Und?

Er hat es uns ganz leicht gemacht, seine Begeisterung ist ehrlich und wunderbar. Was wir mit ihm gedreht haben? Friedrich Hölderlin und James Joyce.

Roger_Willemsen

Ihr seht es sehr bald.

Bleibt bei mir.

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